Die Entstehung und Entwicklung des Jakominiviertels

 

Patrícia Wess

Unter dem Namen Jakominiviertel versteht man das Gebiet im Zentrum von Graz, welches von der Klosterwiesgasse, Grazbachgasse, Schönaugasse und dem Jakominiplatz eingeschlossen wird.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war das heutige Jakominiviertel ein Vorort der Festung Grätz. Im 12. Jahrhundert noch als dörflich-ländliche Siedlung unter den Namen Hadmarsdorf geführt, entstanden im Laufe des 14. Jahrhunderts bedeutende Vorortesiedlungen. Nach der Feuerordnung von 1639 bestanden vor der Stadt neben dem 8.Viertel „Murvorstadt“ und dem 9.Viertel „an der Gräz“ (Bereich zwischen der heutiger Leonhardstraße und Münzgrabenstraße) auch das 10.Viertel „Vor dem Eisernen Tor“ welches von der Mur bis zur Münzgrabenstraße reichte. Die damaligen Grundherrschaften spielten eine überragende Rolle in der Besiedelung der Vorstädte und Vororte. So besaß der deutschte Ritterorden, das Zisterzienserkloster Rein und das Kloster der Dominikanerinnen das Areal des heutigen Jakominiviertels.

Kaiser Joseph II. war es, der 1782 Graz als Festung aufhob. Die intensive Verschmelzung der Kernstadt mit den suburbanen Vierteln began und die Festungsgründe wurden verkauft. Der Großteil der Grundversteigerung ging an Kaspar Andreas Ritter Jakomini. Dieser Erwarb den gesamten Raum zwischen dem Eisernen Tor und dem damals noch offen fließendem Grazbach, darunter eine ausgedehnte, sumpfige Wiese, die dem durch Joseph II. aufgehobenen Dominikanerinnenkloster gehört hatte. Von dieser Wiese hat die Klosterwiesgasse ihren Namen.

Der Grazbach floß offen durch die untere Wieland- und obere Neuholdaugasse und mündete beim Augarten in die Mur. Etliche Stege führten über ihn.

Der Bach führte wenig Wasser und wurde für die Abwasserentsorgung genutzt, welches einen üblen Geruch in seine Umgebung verbreitete. Bei starken Regenfällen konnte der Grazbach dennoch übergehen, und überschwemmte die umliegenden Straßen, Gassen und Häuser. 1879 entschoss man den Grazbach zu begradigen und zu untermauern. Die Bauarbeiten wurden in zwei Etappen ausgeführt. Der Unterlauf wurde zwischen 1880 und 1883 überbaut, der Oberlauf zwischen 1885 und 1887. Im Zuge der Begradigung wurde die Mündung vom Süden des Augartens (beim Augartenbad) an den Nordrand des Parks verlegt – der heutigen Grazbachgasse.

Auf seinen neuen Besitzungen erbaute Jakomini eine ganze Vorstadt. Vorerst wurde ein weitgeräumter Platz, von dem mehrere Gassen ihren Ausgang nahmen, angelegt. Die neuen Bauparzellen zeichneten die alten, sternförmig vom Stadtgraben und dem Eisernen Tor wegführenden Straßen nach. Außen am Stadtgraben wurden kleine, einfache Häuser angebaut (Jakominiplatz 1-6, 19-25). Der Platz hieß vorerst nach dem Kaiser „Josephsplatz“, erst nach dessen Tode wurde er zum Jakominiplatz. 1784 erwarb Jakomini den Neuhof östlich von Graz. Als er auf seinem Stadtplatz ein großes Gebäude errichte (Jakominiplatz 16), übertrug er den Namen „Neuhof“ auf dieses Haus. Das Haus, in dessen Giebel ein Basrelief des Wiener Bildhauers Klieber den griechischen Gott der Kaufleute, Merkur, darstellt, wurde mehrfach genutzt. So hatte die Post hier ihren Sitz, und von hier fuhren die Postwagen in alle Himmelsrichtungen ab. Im Zusammenhang mit dem Postwesen ist zu erwähnen, dass in der Jakoministraße 12 der Schlossermeister Wenzel Wlcek (1831-1909) wohnte. Er erdachte den Briefkasten, und zwar jenen, der nach unten zu öffnen ist und der eine Manipulation während des Entleerens unmöglich macht.

Mit dem Jakominiplatz entstand eine neue Vorstadt, und zwar innerhalb kürzester Zeit, so daß man „schon da eine Stadt“ sah, „wo man kurz vorher Gras mähte“. Die vielen neuen Häuser empfand man zwar als geschmackvoll, „aber nicht vorzüglich auf lange Dauer gebaut…. Als man bei dem Fest wegen der Eroberung Belgrads 1789 in der Zitadelle einige Kanonen löste, fürchteten sich viele Hauseigenthümer, ihre Gebäude würden zusammenfallen, wenn man den Stücken (den Kanonen) auf diese Vorstadt die Richtung gäbe.“

Andere nannten die Jakominivorstadt „zugleich die schönste und überhaupt diejenige Vorstadt von Gratz, welche die regelmäßigsten Straßen (15), die freiesten Plätze (3) und durchaus neue hübsche Häuser (205) hat, worunter sich 20 ebenerdige, 90 einen Stock hohe, 76 zweistöckige, 18 Häuser mit drei und nur ein Haus mit vier Stockwerken über dem Erdgeschoss befinden.“

Das gesamte Terrain rund um den heutigen Jakominiplatz wurde geometrisch vermessen, und der Entwurf für die neue Vorstadt sah vor, dass man vom Hauptplatz alle sechs Gassen sehen sollte. Jakomini ließ unverzüglich die Bauarbeiten an seinem großen Herrschaftshaus beginnen. 1786 hatte der Platz bereits annähernd seine heutige Form gewonnen.

Das Wachsen des Bezirkes bedingte verbesserte Kommunikationsmöglichkeiten, auch mit den Vierteln jenseits der Mur.

Die Stadtplanung während der Herrschaft des Nationalsozialismus hatt eingreifende Pläne zur Umgestaltung von Graz. Auch für den Bezirk Jakomini, der damals auf die Bezirke Mitt und Südost aufgeteilt war, gab es grundlegende Veränderungsprojekte. In Erwartung eines Aufstiegs von Graz als deutsche Metropole in Grenzlage nach Südosten wurde eine konsequente Ausbaupolitik, Verkehrseinschließung und Veränderung im Sinne einer Machtinszinierung geplant. Schon der im Herbst 1938 veröffentlichte „Haasplan“ zeigte das neue Konzept. Um den Joanneumring und den Jakominiplatz war eine völlige Neuverbauung für ein Gauzentrum als politisch-administratives Stadtzentrum vorgesehen.

Dafür wären unter anderen die Altbauten zwischen Jakominiplatz, Jakominigasse, Grazbachgasse, Schlögelgasse und Ringstraße abgebrochen worden. Die begradigte Grazbachgasse hätte in einer Brücke ihre Fortsetzung gefunden. Diese Pläne wurden nie realisiert.

Seit Mitte des 20.Jahrhunderts hat sich das Stadtbild im Jakominiviertel kaum verändert. Hier und da ein neuer Dachausbau oder Fassadengestaltungen, oder Gestaltungsinitiativen wie im Jahre 2003 mit roter Fahrbahneinfärbung. Doch seine Erscheinung und Innenhöfe unterscheiden sich kaum von jenen vor über 100 Jahren. Die wohl größte Wandlung der letzten Jahre erfährt gerade das Eckgebäude Jakoministraße 34 / Grazbachgasse 40, welches abgesehen von einem Dachausbau auch im Kern weitgehend modernisiert und umgestaltet wird. Einige der neuen 9 Geschäftsflächen sind bereits vermietet und lassen auf eine neue Belebung der Jakoministraße und des Viertels erhoffen.

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Patti