Es geht auch anders

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Verweilen. Klingt schön, erinnert ein wenig an alte Zeiten und Entschleunigung und heißt so viel wie chillen. Den Mitgliedern des Vereins Jakominiviertel geht es bei ihren durchaus unkonventionellen Aktionen um mehr.

Auf den ersten Blick scheint alles wie gehabt. Nichts als Burger-Lokale. Dort an der Südseite des Jakominiplatzes, wo Klosterwiesgasse, Jakoministraße und Schönaugasse ihren Anfang nehmen, reiht sich ein Laberl-Spezialist an den nächsten – mehr vom Gleichen und mehr als jemals zuvor.
Und dann gibt es die andere Seite, die sich erst erschließt, wenn man einen Schritt weiter gegen Süden schaut. Zum Beispiel in die Jakoministraße. 250 Meter, die durch die Enge der Passage zur Innenstadt und durch die kurzen Straßenbahnintervalle noch immer große Herausforderungen an die Stadtteilentwicklung stellen. Dennoch verraten die frisch sanierten Fassaden, dass sich in den letzten Jahren einiges zum Besseren gewendet hat. Erfreulich, für die, die hier wohnen, und auf dem Weg ins Zentrum vorbeikommen. Im Erdgeschoß des Wilden Mann, eines in den letzten Jahren umgebauten, geschichtsträchtigen Gebäudes, ordiniert seit kurzem eine Augenärztin, während in den oberen Etagen die ersten MieterInnen vermutlich schon den sensationellen Ausblick über die Stadt genießen. Auch andere Häuser wirken nach der Sanierung freundlicher und vom Gehsteig blickt man in neue Unternehmen. Und neue Schaufenster. Die Gestaltung dieser neuen Auslagen ist einer von vielen einzelnen Schritten, die das Team rund um Obfrau Erika Thümmel in den vergangenen Jahren unternommen hat. Das Ziel der gemeinnützigen Arbeit ist klar definiert: „Wir wollen die Lebensqualität im Viertel und die Profitabilität des Unternehmensstandorts verbessern!“

Eines der neu gestalteten Schaufenster in der Jakoministraße.
Eines der neu gestalteten Schaufenster in der Jakoministraße.

Schaufensterinitiative
Ressourcen zu teilen und die Standortqualität zu heben ist eine Devise des Vereins Jakominiviertel. Dabei zu sein, bringt schon jetzt jedem einzelnen der mittlerweile 30 Vereinsmitglieder etwas. Zum Beispiel Know-how und Ideen für die professionelle Gestaltung der Auslagen: Auf Vermittlung des Vereins sieht sich eine Expertin die Situation vor Ort an und berät die Unternehmen, für die diese Erstberatung kostenlos ist.
Raimund Guggi, Inhaber von Sattelfest, war einer der ersten, die das Angebot für die Schaufenster seiner Radwerkstatt nutzten, und nach dem Relaunch des alteingesessenen Tee-Fachgeschäfts ist auch der Blick in die wunderbare Welt des Teeparadies einladender denn je.
Weitere Benefits: Professionelle Unternehmensporträts zu besonderen Konditionen und die Promotion der Betriebe im Web und Facebook

Heidi und Julia, die Grafikerinnen von brandON im Porträt von Daniela Jakob
Heidi und Julia, die Grafikerinnen von brandON im Porträt von Daniela Jakob

Open Studios
Die vorhandenen Stärken des Grätzels stehen auch im Fokus der OPEN STUDIOS, einer Veranstaltungsreihe, bei der UnternehmerInnen des Viertels ihre Dienstleistungen und Produkte vorstellen. Je nach Branche sind die Gäste zur Präsentation, zum Workshop, zur Diskussion geladen und danach bleibt noch Zeit für das persönliche Gespräch bei Snacks und Erfrischungen.

Das andere Jakominiviertel: Feiern in den Hinterhöfen
Das andere Jakominiviertel: Feiern in den Hinterhöfen

Take a Seat
Und schließlich stellen sich die Vereinsmitglieder immer wieder die Frage, wie sich die Verweilqualität verbessern ließe. Zuletzt im Rahmen des EU-Projekts „Human Cities“ und im März wird wieder eingeladen, Platz zu nehmen. Auf 100 Bänken, die das Kollektiv von brauchst und studio magic konzipiert und herstellt. Die Aktion ‚Take a seat’ soll darauf aufmerksam machen, dass es durchaus erlaubt ist, sich im öffentlichen Raum auch ohne Konsumzwang auf einer Bank gemütlich zu machen. „Warum muss ich mir im öffentlichen Raum immer einen Sitzplatz erkaufen?“, fragt Rainer Edler, einer der Kreativen, die im Coworking Space Fuffzk in den verwandten Disziplinen Architektur, Konstruktion, Möbeldesign, Virtual reality und Fotografie miteinander arbeiten.
Statt darüber zu jammern, dass es in Graz definitiv zu wenig Verweilplätze gibt, entschieden sich Rainer & CO zu handeln. Beim Fest im März stellen sie ihre minimalistischen Stadtmöbel auf Gehwege und die winzigen bestehenden Verweilzonen der Jakoministraße. Eine Einladung zum Bleiben, Reden, Feiern. Wer will, kann seine Bank danach auch wirklich besitzen, sprich mitnehmen, und selbst einen geeigneten Platz in der Stadt finden.
Mehr darüber in Kürze auf www.jakominiviertel.at

Fotos: Jakominiviertel, DJakob, brauchst

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