Pokéhype im Jakominiviertel?

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Das Jakominiviertel ist eine wahre Goldgrube für Pokémon GO-LiebhaberInnen. Hier wimmelt es nur von den sogenannten PokeStops, also Stationen, bei denen Spieler das ein oder andere Power-Up erhalten. Wir haben uns bei den Gamern umgehört.

Das Spiel, das in den 90ern alle in den Wahnsinn getrieben hat, feiert seit einigen Tagen ein Comeback. Pokémon – damals noch im Kammerl auf der Konsole gespielt – ist heute für viele ein Grund, die eigenen vier Wände zu verlassen. Das Kultspiel lädt nämlich zur Entdeckungsreise. Oder besser gesagt, Pokémon GO ist die Entdeckungsreise.

Wilde Pokémon fangen, sie trainieren, entwickeln und gegeneinander kämpfen lassen: Das ist die Aufgabe der Pokémon-TrainerInnen. Was früher nur in einer von Nintendo erschaffenen virtuellen Welt möglich war, passiert jetzt auf freier Wildbahn. Augmented-Reality nennt sich dieser technische Durchbruch, bei dem die Wirklichkeit durch computergestützte Erweiterung anders wahrgenommen wird.  Und so sehen die SpielerInnen auf der Suche nach neuen Pokémon auch ihre eigene Umgebung mit neuen Augen.

Erkennen kann man jene, die im Pokéwahn sind, durch drei wesentliche Merkmale: Smartphone in der Hand, gesenkter Blick, der am Bildschirm klebt, da die Umgebung auch durch 4,7 Zoll zu sehen ist und euphorische Aufschreie, sobald ein neues Pokémon gefangen wurde.

Zugegeben: Der Hype rund um das Spiel nimmt stark ab, allerdings sind Pokémon-JägerInnen nach wie vor eine äußerst ausgeprägte Gattung der Smartphone-NutzerInnen.

Wir haben einige Leute im Bereich der virtuellen Kampfarena am Jakominiplatz, wo sich die Videospielkreaturen duellieren können, zu ihrem Werdegang als Pokémon-TrainerInnen befragt.

IMG_5351 Judith, 23, Studentin

Bei dieser Pokémon-Trainerin zeichnet sich das nicht allzu seltene Rudelverhalten ab. Alleine wagt sie sich nicht gerne in die weite Welt, um ihr Arsenal an Phantasiemonstern zu erweitern. Stattdessen nutzt sie ihr neues Hobby, um Zeit mit ihren FreundInnen zu verbringen. Wie viele ihrer Gleichgesinnten hat sie nicht bis zum offiziellen Release in Österreich gewartet, um sich die App zu holen, sondern die Datei gleich online heruntergeladen. Zurückblickend ein Gewinn: Der zeitliche Vorsprung brachte ihr auch einen Vorsprung beim Punktesammeln.

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Dennis, 13, Schüler

Eine klare Definition für das Wort „selten“ gibt es nicht. Allerdings meint dieser junge Trainer nur selten das Haus verlassen zu haben, um sich auf die Jagd zu machen. Bei genauerem Hinterfragen stellt sich heraus, dass ihn das Spiel innerhalb der letzten drei Wochen rund zwanzig Mal nach draußen trieb. Angetrieben von Langeweile greift er regelmäßig zum Handy und verliert sich dabei in der Phantasiewelt. Einmal wäre er beim Spielen sogar fast von einem Auto angefahren worden. Kein Einzelfall in der Pokémon-Community. Die Augen auf dem Display fixiert, nehmen die Gamer ihre Umgebung nur noch peripher wahr und riskieren so ihre eigene Sicherheit – und die der anderen.

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Armin, 22, Student

Er ist Level 21 Gamer. Was auch daran liegt, dass er ebenfalls bereits vor dem österreichischen Release mit dem Spiel begonnen hat. Außerdem liegt direkt vor seiner Haustür eine Kampfarena. Ab Level fünf können Pokémon-TrainerInnen dort die Eigenschaften ihrer gefangenen Taschenkreaturen testen und weitere Punkte zum Aufleveln sammeln. Aber was genau passiert, wenn sich ein Pokéstop oder eine Arena auf einem Privatgrund befindet? Laut  futurezone ist die virtuelle Welt kein rechtsfreier Raum, in dem Anarchie herrscht. Pokémon-JägerInnen müssen also selbst darauf achten, sich nicht strafbar zu machen – selbst wenn es vom Spiel indirekt befohlen wird.

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Cecilia

Genervt und trotzdem belustigt erzählt Cecilia, dass ihr das Spiel schon zu Beginn suspekt war. Angefangen bei den möglichen Gefahren, denen sich die Spieler aussetzen bis hin zu den geschmacklosen Standpunkten der Kampfarenen, wie etwa jene, die sich am Grazer Zentralfriedhof beim internationalen Mahnmal für die Opfer des Dritten Reichs befindet. Ihre zwei Söhne, 25 und 23, haben sich dem Hype nach dem Release nicht angeschlossen, da sie dem Prinzip von Augmented-Reality-Spielen gegenüber nach wie vor skeptisch sind.

Wie lange der Pokémon GO-Hype hier im Viertel noch erkennbar sein wird, bleibt offen. Laut einer Umfrage des Linzer market-Instituts für die Zeitschrift „Trend“ stehen nur 17% der Befragten positiv zur App. Auch die Nintendo-Aktie hat nach dem rasanten Hoch bei Veröffentlichung der App, vergangene Woche eine Talfahrt hinlegen müssen.

Bild via gamerant.com

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