Stolpersteine

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Vier kleine Messingtafeln am Gehsteig erinnern an die jüdische Familie Dortort und ihr Schicksal.

Leo Dortort liebte den Stadtpark und den Fußball. Seine Eltern ließen ihm viele Freiheiten. Während Vater Franz unten im Erdgeschoß Knöpfe, Zwirn, Nadeln und all die kleinen Notwendigkeiten anpries, die man damals „Kurzwaren“ nannte, während seine Mutter Anna eine Tür weiter mit süßen Golatschen, Rosinenstangerl und anderen koscheren Mehlspeisen beschäftigt war , traf sich der Bub mit Freunden und ging auf Abenteuer. Von der Jakoministraße 10 ins Joanneumviertel, auf und um den Schlossberg. Hatten die Eltern Zeit, begleiteten sie ihn und Schwester Blanka in den Stadtkibbuz oder das Ringtonkino.

Bis 1938. Dann war alles anders.

Leo Dortort Stolpersteine

Leos Schwester flüchtete nach Palästina. Seine Eltern kamen mit vielen anderen aus der jüdischen Gemeinschaft 1941 in Šabac ums Leben. Und der mittlerweile 86jährige lebt heute in Kanada.

Von dort kam er unlängst auf Einladung des Vereins für Gedenkkultur nach Graz. Um 75 Jahre nach dem Beginn des NS-Terrors in Österreich auch in Graz im öffentlichen Raum (mehr) Erinnerungszeichen für Opfer des Nationalsozialismus zu setzen, wurden  – wie hier, an der ehemaligen Adresse der Dortorts – gemeinsam mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig „Stolpersteine“ gesetzt: kleine Betonsteine, mit einer Messingplatte, die Namen und Lebensdaten der Opfer tragen, und daran erinnern, dass sich politisches Denken und Handeln, Tun und Unterlassen ganz konkret auf das Leben einzelner Menschen auswirkt.

Gedenkprojekt Stolpersteine in Graz

 

 

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