Die vegane Leichtigkeit des Seins

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Warum tote Tiere, Milchprodukte und Eier essen, wenn man darauf verzichten kann? Vegan ist Trend. Trotzdem sind Shops, die rein pflanzliche Lebensmittel anbieten, immer noch rar. Martina Müllner trägt mit ihrem veganen Lebensmittelgeschäft in der Schönaugasse 13 zur Diversität der Stadt Graz bei. Aber was zeichnet die Greisslerei-Vegankost aus?

Ein Sonnenstrahl fällt durch das Fenster auf den kleinen Tisch zwischen den zwei blauen Stühlen. Hier ist Platz zum Plaudern. Weit und breit kein tierisches Erzeugnis, nur Second-Hand-Regale aus Holz und eine vom Veganismus überzeugte Verkäuferin. Auf einem Verkaufstisch kleine Stückchen grüner Schokolade ohne Milch. Ein Paradies für Menschen, die Wert auf bewusste Ernährung legen. Der kleine Laden bietet alles, was das Veggie-Herz begehrt. Nämlich nichts, was von einem Muttertier geboren wurde. Nichts, was Tiere produzierten wie Honig, Eier oder Milch. Genau darauf verzichten nämlich Menschen, die sich für ein veganes Leben entscheiden.


Von der IT zum Veganismus
Wie kam es dazu, dass die ursprüngliche IT-Expertin Martina Müllner die Greisslerei betreibt? Reiner Zufall! Zuvor führte eine aus Deutschland stammende Dame den veganen Lebensmittelladen. Damals war dies erst das zweite vegane Geschäft in Österreich. Die Inhaberin musste aus familiären Gründen umziehen und übergab das Geschäft im Jahr 2015 an Müllner. 
Seither lebt sie in der Greisslerei ihre Leidenschaft aus. „Wenn alle Menschen sich nur zwei Tage rein pflanzlich ernähren würden, hätte das schon große Auswirkungen“, sagt sie entschlossen. Man könne durch Veganismus den Hunger der Welt bekämpfen. Aber wir essen dann doch den Tieren das Futter weg, oder?
Nicht ganz. Zuchtrinder fressen hauptsächlich Soja, das aus den gerodeten Regenwäldern stammt. Kühe essen kein Fleisch, aber sie produzieren jede Menge CO2. Das heißt konkret: Weniger Viehzucht bedeutet weniger CO2 und mehr pflanzlicher Genuss für uns Menschen. FleischliebhaberInnen weigern sich oft, dies als Fakt anzusehen. Deshalb will die Verkäuferin informieren.

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Müllner betreibt ihr Geschäft in jeder Hinsicht nachhaltig. Ein Tischler hat aus gebrauchten Holzplatten die rustikalen Möbel gezaubert. Die Kassa steht auf gestapelten Paletten. Von diesem selbstgebastelten Tresen aus bietet Müllner sogar Vegan-To-Go an. Im Sommer bereitet sie Fruchtshakes und Salate aus Bulgur und Quinoa zu. Nie gehört? Bulgur ist vorgekochter Weizen, Quinoa sind mineralstoffreiche Blätter aus der Pflanzengattung der Gänsefüße. Gesünder geht’s kaum. Im Winter versorgt Müllner die Kundschaft mit warmen Suppen und Eintöpfen zum Mitnehmen.
Neben dem Geschäft betreibt Müllner den Blog Vegan in Graz. Der liebevoll gestaltete Online-Auftritt umfasst Tipps für vegane Lokale in Graz, Rezepte für die rein pflanzliche Ernährung, eine Bücherliste und viele weitere Informationen rund um das Thema Veganismus.

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Der Unterschied zu Supermarktketten
KundInnen kaufen in der Greisslerei nicht die Veggie-Katze im Sack, denn Müllner steht mit Rat und Tat zur Seite. Sie kennt die Produkte und weiß, wie sie schmecken. Es macht ihr Freude, die Menschen persönlich zu betreuen. Sie will niemanden zum Veganismus überzeugen oder gar überreden, sondern informieren und beraten. „Information ist das wertvollste Gut, das wir haben“, so Müllner. Um diesem Motto gerecht zu werden, bietet die Greisslerei regelmäßig diverse Workshops, wie Brotbacken oder Sprossenziehen, an. Interessierte kommen zusammen, tauschen sich aus und probieren Neues. 
Oft suchen Menschen mit Allergien in der Greisslerei Alternativen für ihr tägliches Brot. Wer Eier nicht verträgt, findet hier den passenden Ersatz aus Stärke. Natürlich können Ersatzprodukte das Original nicht 1:1 kopieren, aber sie bieten die etwas andere, gesunde Variante zu tierischen Erzeugnissen.

30 Tage Disziplin und Gewinn
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Der Sommer wird wegen der berühmt-berüchtigten Bikinifigur oft verflucht, aber auch positiv im Sinne der körperlichen Fitness genutzt. In dieser Zeit empfiehlt Müllner allen, den Versuch zu starten, sich 30 Tage vegan zu ernähren.
Das Buch Vegan for fit von Attila Hildmann, das Müllner für das Programm auf ihrem Blog nutzt, bietet einen übersichtlichen Essens- und Fitnessplan. Es sei wichtig, sich beim Sport wirklich zu verausgaben. Müllner empfiehlt im Programm ein siebenminütiges Zirkeltraining, bei dem man sich ganz leicht in den eigenen vier Wänden austoben kann. Obacht! Frisches Obst und Gemüse geben den Ton an. Alkohol, Nikotin und Koffein sollte man, so gut es geht, meiden. Klingt langweilig? Ist es aber nicht. Man wird mit mehr Energie, Wohlbefinden, Fitness und Freude am Sein belohnt. Müllner hat durch ihre pflanzlichen Gaumenfreuden schon vergessen, was es bedeutet, sich träge zu fühlen. Sie strotzt vor Lebenskraft und spürt eine gewisse Leichtigkeit. Außerdem konnte sie dadurch ihre Kochkenntnisse abrunden. Sie arbeitet zurzeit beispielsweise gerne mit Cashew- und Mandelmus für Saucen.

Fremde kulinarische Dimensionen
Schon bevor sich Müllner ihrer Gesundheit zuliebe für den Veganismus entschied, ernährte sie sich aus ethischen Gründen beinahe zwei Jahrzehnte lang vegetarisch. Fleischkonsum war und ist für sie persönlich moralisch nicht vertretbar. „Die Ethik ist in der Wirtschaft uninteressant. Es geht nur um Geld“, kritisiert sie den Verkauf tierischer Produkte. Heutzutage ist es zum Glück nicht mehr so schwierig, auswärts essen zu gehen, da es bereits eine Auswahl an Veggie-Restaurants gibt. Dazu zählen in Graz zum Beispiel das Café Erde, Mangolds und Ginko.

Wer seinen Horizont erweitern möchte, ist in der Greisslerei herzlich willkommen. Martina Müllner beantwortet Fragen aller Art und freut sich über altbekannte und neue Gesichter. Kleine Kostproben werden ebenfalls angeboten. Guten Appetit!

 


Fotos: Mario Martin
Text: Christina Ozlberger

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