Ein Stück Japan mitten in Graz

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In die unerreichbare Welt der Videospiele eintauchen? Vermutlich der Traum jedes Nerds und dank des Anigames möglich. Wie der Name verrät, hat sich das Geschäft auf Animes, also japanische Zeichentrickproduktionen, und Games spezialisiert. Eine in Graz einzigartige Kombination feiert ihren Erfolg im Jakominiviertel. 

Mitten im Zentrum von Graz befindet sich die Wohlfühloase für Gamer, Cosplayer, Animefans und die, die es noch werden wollen: Das Anigame. Schon im Schaufenster steht die klassische Videospielfigur Link in Lebensgröße und macht PassantInnen auf den Laden neugierig. Zugegeben: Noobs, also Leute, die mit der Gamingwelt wenig bis gar nichts anfangen können, geraten selten in den Bann des Ladens. Scheinbar endlose Regale, gefüllt mit Videospielen, Fanartikeln, Comicfiguren und Mangas (japanische Comics) sind auf der breiten Verkaufsfläche verteilt. Im hinteren Verkaufsbereich einige Konsolen im Dauerbetrieb. Im Eck ein Paar, das Jumpsuits und T-Shirts mit aufgedrucktem Nerdcontent anprobiert. Andere, die wortlos und zielstrebig durch den Laden marschieren. All jene, die eine Affinität zur Gaming- und Animewelt haben, kämpfen, wie es scheint, permanent gegen die eigene Selbstbeherrschung, um nicht bei jedem Besuch gleich das ganze Ersparte auszugeben.

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Fanartikel aus verschiedenen Videospielen und Animes

 

Seit dem 9. April dieses Jahres steht das Anigame an seinem aktuellen Standort in der Jakoministraße 8. Was drei Jahre zuvor als Videospielverkauf und -ankaufstelle zweier Geschäftspartner in der Neutorgasse angefangen hat, ist mittlerweile auch zu einem Laden für Animes, Mangas und den dazugehörigen Merchandise-Artikeln geworden.

Martin Oswald, einer der beiden Unternehmer, hat sich mit dem Laden seinen Kindheitstraum erfüllt. Er hat schon als Kind leidenschaftlich gespielt und mit diesem Input sein Geschäftsmodell auf die Beine gestellt. Im Prinzip bin ich ins kalte Wasser gesprungen“, erzählt er lachend.

Von einer Convention zur nächsten

Eine Woche vor der Neueröffnung im April ist das Team erstmals als Anigame auf der Videospielmesse Button in Graz mit einem Verkaufsstand auf der Bildfläche erschienen. Österreichweit gibt es mittlerweile zahlreiche Conventions, wie die Messen genannt werden, auf denen das Geschäft voraussichtlich vertreten sein wird. Dort erreiche man, so Oswald, genau die richtige Zielgruppe und kann sich von anderen HändlerInnen in Sachen Sortiment inspirieren lassen. Im November, wenn die AniNite in Wien, die größte Convention Österreichs mit rund 20.000 BesucherInnen, wieder ihre Pforten öffnet, wird Oswald erneut versuchen, seine Bekanntheit zu erweitern. Bei den Zielen, die er sich als Unternehmer gesetzt hat, ist das auch ziemlich wichtig: „Wenn’s wirklich gut läuft, dann werden wir in Österreich weitere Filialen eröffnen. Noch ist das zwar Zukunftsmusik, wir sind da aber ehrgeizig.“ Der nächste große Schritt ist der Launch des eigenen Onlineshops, der innerhalb der nächsten zwei Monate erfolgen soll.

Zeit für ein Du-Du-Du-Du-Duell

Hauptgrund für den Location-Wechsel war der Platzmangel in der Neutorgasse. Es gab nicht genug Fläche, um alle Artikel aufstellen zu können, aber auch für Events waren die Räumlichkeiten zu klein. Turniere, Quizze und Duelle, ähnlich wie man sie aus dem Anime Yu-Gi-Oh! kennt, finden seit dem Umzug immer samstags im Geschäft statt.

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Yu-Gi-Oh! Duelle    Foto: Anigame

Auf Facebook wird über die Themen der Gaming-Nachmittage informiert. Bei Interesse kann man sich für eine Mitmachgebühr von zwei Euro anmelden. Auf die GewinnerInnen warten Gutscheine und Preise. Auch Cosplayer, also als Videospiel- oder Manga-Charaktere verkleidete Leute, sind bei diesen Events keine Seltenheit.

Die wachsende Community

Leute, die sich als Teil der Videospielkultur sehen und diese Einstellung nach außen tragen, werden oft mit Vorurteilen bombardiert. Beleidigende Aussagen, wie die, dass sie ihre Zeit sinnlos vergeuden, an Realitätsverlust leiden und durch das ein oder andere Spiel zu aggressiven Handlungen neigen, sind Gang und Gebe. Um dem entgegenzuwirken, möchte das Anigame die Community unterstützen. Es gab bereits Aktionen, bei denen teilnehmende Cosplayer auf alle Produkte einen Rabatt erhielten.

Die Gamer-Community in Österreich wächst stetig, beobachtet Oswald. Der Grund? Videospiele absorbieren ihre Fans und ziehen sie in ihre Phantasiewelt. Kostüme und Fanartikel bringen sogenannte Nerds näher an diese unerreichbaren Welten. Und so geben Cosplayer gern ihr Geld aus, um ihre Idole nachzuahmen und Gleichgesinnte auf Gamer-Veranstaltungen zu finden.

Back to the Roots

Spezialisiert hat sich das Anigame mittlerweile auf Oldschool-Games, wie Zelda und Pokémon. „Ich behaupte da schon mal, dass wir in der Steiermark die größte Auswahl an Retrospielen haben“, erklärt Martin Oswald. Rund 95 Prozent der Klassiker im Sortiment sind gebraucht. Diese ziehen eine ältere Zielgruppe an, die nostalgisch auf die Spiele aus ihrer Kindheit zurückgreift. Aber auch junge Menschen freuen sich darüber, günstig an Gamer-Ware zu gelangen.

Mit Japan als Ziel

Obwohl Martin Oswald stolz darauf ist, ein kleines Stückchen Japan mitten in der steirischen Hauptstadt aufgebaut zu haben, war er selbst noch nie im Geburtsland der Videospiele und Animes. Diesen Traum möchte er sich erfüllen, sobald er etwas Zeit gefunden hat. „Die Japanreise steht ganz oben auf der Liste. Dort gibt es ein eigenens Pokémon-Center, lebensgroße Animefiguren und sogar Museen für die verschiedensten Spiele. Es mag etwas klischeehaft wirken, aber der Traum eines waschechten Gamers ist eine Reise ins Land, wo alles angefangen hat.“

Text und Fotos: Anna Rezk

 

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