Gläserne Welten

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Wenn das Sonnenlicht durch die Fenster von Mark Angus‘ Studio fällt, leuchtet das Glas in allen Farben und erinnert an die unverwechselbare Stimmung, die Glasfenster in Kirchen erzeugen. Beim OPEN STUDIO am 3. März zeigt der Künstler seine Arbeiten und erzählt, wie die gläsernen Welten entstehen.

„Visitors welcome“ heißt es auf dem Schild neben dem unscheinbaren Eingang zum Atelier von Mark Angus. Vor vier Jahren hat der gebürtige Engländer seine Werkstatt in der Kastellfeldgasse eingerichtet und arbeitet an Glasobjekten unterschiedlicher Größe bis hin zu Glasfenstern für Sakralräume. Die Werke, die er in Österreich herstellt, unterscheiden sich dennoch deutlich von seinen früheren Arbeiten, meint er. „Das liegt nicht nur daran, dass ich mich als Künstler weiter entwickelt habe, sondern auch an der Glasqualität hier in Österreich.“ Englisches Glas sei widerstandsfähiger, strapazfähiger. Es eignet sich daher auch für Radierungen, die in das Glas geätzt werden. Heute konzentriert Angus vermehrt auf die Glasmalerei, die durch strahlendes Sonnenlicht betrachtet, besonders lebhaft wirkt.


Mark Angus Jakominiviertel 1Auf den Spuren von Goya und Dalí

Zurzeit arbeitet der Künstler an einer Serie, die ihm selbst viel bedeutet. Inspiriert haben ihn Francisco de Goyas Los Caprichos : 80 Radierungen, in denen der Spanier Missstände und menschliche Schwächen kritisiert. Salvador Dalí baute in seinen „Metamorphosen“ später auf diesen Arbeiten auf und erweiterte Goyas Bilder um eigene Grafiken. Für seine eigenen Caprichos entschied sich Angus für einen aufwändigen Arbeitsprozess: Bis zu viermal müssen die vielschichten Objekte in den Brennofen müssen, bevor er mit den Ergebnissen zufrieden ist.

Ein wiederkehrendes Thema in seiner Kunst ist dabei die Jugend und Figuren wie der kleine Prinz oder der niemals alternde Peter Pan faszinieren ihn noch immer. Doch mit den Jahren haben auch neue Themen an Gewicht gewonnen. Prekäre Themen wie Schmerz oder Tod, die sich besonders bei den Arbeiten für Sakralräum stellen. „Wenn man jung ist, arbeitet man an diesen Themen ohne irgendetwas davon erlebt zu haben. Über die Jahre baut man jedoch Reserven emotionaler Energie auf, mit denen man arbeiten kann“, meint Angus. Gerade bei den Arbeiten für Kirchen und Kapellen haben Emotionen daher Platz: seine eigenen und jene der BetrachterInnen. „Ich möchte wissen was die Leute an meiner Kunst lieben oder hassen und ihre Ängste kennen. Statt Kompromisse zu machen, will ich die Menschen auf eine Reise mitnehmen!“, ergänzt der Glaskünstler.


Mark Angus Jakominiviertel 5Unvergesslich

Auf eine Reise nahm ihn – im wahrsten Sinne des Wortes– auch sein persönliches Vorbild Johannes Schreiter mit. Vor vielen Jahren schrieb er dem deutschen Künstler einen Brief, in dem er ihn um ein Treffen bat. Aus den erhofften 30 Minuten wurden schließlich drei unvergessliche und prägende Tage. Gemeinsam besuchten sie Kirchen, um Schreiters Arbeiten zu diskutieren, nahmen sich Zeit für technische Details und philosophische Überlegungen über Gott und die Welt. Zum Abschluss gab ihm Schreiter ein Sprichwort mit auf den Weg, das Marc Angus seither begleitet: „Etwas, dass man schnell lernt, vergisst man auch schnell wieder. Etwas, dass schwer zu verstehen ist, vergisst man nie.“

Beim Open Studio, am 3. März 2016 öffnet Mark Angus sein Atelier ab 17 Uhr in der Kastellfeldgasse 23/3. Eintritt frei!

Marion Kirbis

Fotos: Jakominiviertel/Kirbis

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