Was wir wollen

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Die Architekten des Co-Working Space Fuffzk in der Grazbachgasse haben vergangene Woche eine Box vor ihre Türe gestellt. Passantinnen und Passanten sollten ihre Wünsche fürs Viertel auf bunte Zettel schreiben und einwerfen. Am 4. November haben sie dieselbe Türe für eine Diskussion zu den Vorstellungen der Menschen geöffnet. Die Gespräche dauerten bis weit in die Nacht.

161104_jakominiwunschbox_patriciawess_1„Wir wollen Ideen für das Viertel sammeln und dokumentieren. Es ist ein Experiment,“ sagt Patricia Wess und befestigt eine Karte an der Wand. „Heute müssen noch keine Prozesse zur Umsetzung geplant werden.“ Patricia Wess, eine der Koordinatorinnen des Jakominiviertels, hat den Workshop geplant. In zehn Minuten sollen sich Bewohnerinnen, Bewohner und Geschäftstreibende des Viertels mit Interessierten um den großen Tisch versammeln und gemeinsam ihre Vorstellungen diskutieren. Die Architekten, die vor kurzem ihren Arbeitsplatz in den Co-Working Space Fuffzk verlegt haben, sind schon da.

Vor allem Freundinnen und Freunde von Fuffzk und Vereinsmitglieder des Jakominiviertels folgen der Einladung. Im ersten Schritt werden Wünsche und Ideen auf bunte Zettel notiert, danach werden sie einzelnen Themen zugeordnet und besprochen: Verkehr, Begegnungszonen, Infrastruktur, Grünraum.

Verkehrsalternativen in der Jakoministraße

Mit der Straßenbahn-Situation in der Jakoministraße ist kaum jemand zufrieden. Der Gehsteig ist zu eng und Radfahren stadtauswärts nicht erlaubt. So schnell ändern kann sich das nicht, aber träumen darf man wohl – von einer Bim-Unterführung, einer Hochseilbahn und Förderbändern.

Wird das Auto auch in den kommenden Jahrzehnten als Verkehrsmittel Nummer eins in Städten genutzt werden?
Wird das Auto auch in den kommenden Jahrzehnten als Verkehrsmittel Nummer eins in Städten genutzt werden?

Mehr sozialer Begegnungsraum

Klosterwiesgasse, Jakoministraße und Schönaugasse sind Durchzugsrouten, es gibt kaum Ruheoasen, direkte Kommunikation passiert nur bei Straßenfesten und Veranstaltungen. Es wäre schön, wenn Opas und Hipster am Gehsteig gemeinsam Mühle spielten. Außerdem fehlen Nischen für Jugendliche, jede Rückzugsmöglichkeit im öffentlichen Raum wurde ihnen genommen. Das Viertel braucht mehr Aufenthaltsräume, die vom Konsumzwang befreit sind und zum Verweilen einladen.

Um derartige frei zugängliche Orte zu schaffen, kann einerseits der öffentliche Raum bespielt werden. Der Platz, wo sich Grazbachgasse und Schönaugasse kreuzen, liegt beispielsweise im Freien und bekommt tagsüber viel Sonnenlicht ab. Andere verbinden den Wunsch nach konsumzwangfreien Bereichen im Viertel mit der Umwertung und innovativen Nutzung von leerstehenden Geschäftslokalen.

Leerstandsmanagement betreibt zum Beispiel das Projekt RAUMBASIS. Die Koordinatorin des Projekts handelt mit Eigentümerinnen und Eigentümern einen Prekariumsvertrag aus: Die Zwischenmieter dürfen die unbewirtschaftete Fläche nutzen und müssen meist nur für die Betriebskosten aufkommen. Im Gegenzug sind sie jederzeit kündbar, sollte sich jemand finden, der das jeweilige Objekt mieten will.

In Wien werden Parkplätze zu „Grätzloasen“ umgestaltet. Ein kleiner Garten vor dem Fuffzk wäre auch gut vorstellbar! (http://www.grätzloase.at)
In Wien werden Parkplätze zu „Grätzloasen“ umgestaltet. Ein kleiner Garten vor dem Fuffzk wäre auch gut vorstellbar! (www.wiengestalten.at; www.grätzloase.at)

Grün sind nur die Innenhöfe

In der Wahrnehmung der meisten ist das Viertel nicht grün, sondern eher grau. Bäume verstecken sich in Innenhöfen, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Mit ein wenig Phantasie ließe sich dennoch Raum für etwas Grünes finden.

Die Grazbachgasse von der Schönaugasse bis zum Dietrichsteinplatz von Autos zu befreien und in einen grünen Parkgürtel zu verwandeln, scheint eher utopisch. Ganz kleinräumige Urban Gardening Projekte werden in Graz nicht so gut angenommen wie in Berlin, hört man. Auch weil die Bauernmärkte in Graz hervorragend funktionieren. Größere Chancen auf Umsetzung hat da vermutlich der Vorschlag, ein Baumpatenschaftsprojekt zu schaffen und so die Natur im Viertel aufleben zu lassen.

Auch futuristische Ideen wurden grafisch zusammengefasst.
Auch futuristische Ideen wurden grafisch zusammengefasst.

Das Fuffzk kennt keine Grenzen

Der Co-Working Space in der Grazbachgasse beherbergt viel kreatives Potenzial, die jungen Architekten spielen auch mit Ideen, die auf den ersten Blick utopisch anmuten: unterirdische Straßennetze, Gehwege durch Innenhöfe und tragbare Häuser. Auf der anderen Seite ist auch Platz für Stimmen wie jene von Peter Zurk: „Wir müssen Bestehendes aufgreifen und neu beleben.“ Vermutlich braucht es beides.

 

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