Nachruf auf Heli Petrzela

Kaum jemand kannte das Viertel so gut, wie der ehemalige Eigentümer des Bistro „Chez Heli“ (jetzt „Vintage Bar“) in der Jakoministraße 7. Knapp vor seinem 80. Geburtstag wurde er zu einem Opfer von Covid 19.

 

Herr Petrzela sagten die wenigsten zu ihm. Er hieß einfach Heli. Und er betrieb das kleine Café ganze 48 Jahre lang, was es zum ältesten Lokal der Straße machte.

Das Chez Heli im Jahr 2014

Als Heli Petrzela 1967 die 41 Quadratmeter von seiner Mutter übernahm, hieß das Lokal noch „Pigalle“. Wegen Bill Ramsey, der sehr zum Gefallen der Frau Mama die kleine Mausefalle mitten in Paris besungen hatte. Der junge Petrzela aber hielt mehr von Jerry
Cotton. „Der kehrte nämlich immer wieder in einem kleinen Pariser Bistro ein. Die Idee hat mir gefallen“, erinnerte sich der Wirt an die ersten Jahrzehnte in der damals belebten Jakoministraße. Mittags gab es im „Chez Heli“ kleine Snacks, nach Ladenschluss kamen die Kunden und Inhaber der angrenzenden Geschäfte.

In den späten 70ern verschwand die Wandmalerei des „Pigalle“ d.h. der Eiffelturm und das Moulin Rouge hinter der Wandvertäfelung. „Vielleicht holt sie mein Nachfolger wieder ans Licht“, meinte der ehemalige Wirt anlässlich der Übergabe 2014. Und er listete die übrigen Vorzüge des Bistros auf: eine Jukebox, ein Dart-Automat und eine Klima- und Schankanlage.
Wunderbar konnte er von ehemaligen Geschäften im Jakominiviertel erzählen: so befand sich im Haus Jakoministr. 7 links des Eingangstores bis ca. 1920 ein Hufschmied und 1926-1954 das Gasthaus „Der kleine Wilde Mann“, welches 1954 von Frau Marcic (Mädchenname der Mutter von Heli Petrzela) übernommen wurde. Im selben Haus rechts des Eingangstores, dort wo sich seit 2014 das „Sattelfest“ unter Reinhard Guggi befindet, war bis ungefähr 1957 das Hendelrestaurant „Dachsteinstüberl“. Und – wenn ich das richtig verstanden habe – auch in der Jakoministr. 7 das Lokal „Skorpion“. In der Jakoministr 10, dort wo jetzt das „Carla“ ist, war ein Schmiedeeisen-Geschäft, wo es Geländer und Laternen gab, dann war dort die „Gummi-Tant“ (Ende der 1970er Jahre). Im selben Haus daneben war Bernhard der Schuster, der machte handgefertigte Schuhe und dahinter bestand sogar eine kleine Schuhfabrik. Am Anfang der Jakoministraße war der Drogeriemarkt „Plomer“, dann der weithin bekannte Schallplattenladen „Melodie“, dann „Aichler“. Wo jetzt das Teegeschäft ist, war eine Wäscherei, in der Jakoministr. 36 das weithin bekannte Tanzcafé „Café Pucher“.
In der Klosterwiesgasse gegenüber des „Mocca-in“ war das Café „Smokey“, dort „trauten sich die Männer nicht hinzusetzen, damit ihre Hosen keine Falten bekommen“. An der Ecke Grazbachgasse/Klosterwiesgasse war das „Café Wienerhof“ mit dem legendären Kellner „Poldl“, dann war dort ein großes Waffengeschäft. Seit circa 2009 ist dort das vegetarische Restaurant „Ginko“.

Am Jakominiplatz, wo jetzt Mac Donalds ist, war früher das Gasthaus „Scharfes Eck“ mit der legendären Kellnerin Luise und der Schmidt Maria als Köchin. „Aufschreiben lassen“ war üblich beim Greissler und im Wirtshaus, dort hatten die Hausfrauen ein Heftl aufliegen erzählte Heli. „Im Wirtshaus wurden die Zecher auch von ihren Freunden ausgelöst, wenn sie nicht zahlen konnten….“

Ach, wie viel hätte man ihn noch fragen sollen. Jetzt ist es zu spät! Unser Mitgefühl begleitet die Witwe.

20.Mai 2020, Erika Thümmel

 

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